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Surinam

Geschichte und Mosaik der Kulturen

Surinam wird oft als "Welt en miniature" beschrieben. Ein kleines und junges Land im Nordosten von Südamerika. Vergessen und unbeachtet am Atlantik gelegen, im Schatten des amazonischen Regenwaldes leben heute etwa 400.000 Menschen auf einer Fläche von etwa 163.000 qkm. Etwa 80% Surinams ist bis heute von einem intakten Regenwald bedeckt. Straßen gibt es nur die Küste entlang und von der Stadt Paramaribo hin zum internationalen Flughafen, der etwa 50 km südlich von der Stadt im Landesinneren liegt. Dann finden wir eine kleine Anzahl von Sandpisten, die zu den Indianer- und Buschnegerdörfern in die Savannen- und Dschungelgebiete führen. Die meisten Dörfer liegen jedoch im tiefen Dschungel an den mit Stromschnellen übersäten Flussläufen.

Sicherlich kann man inzwischen für gute Dollar mit einer Chessna verschiedene Plätze im Landesinneren anfliegen. Für die einheimische Bevölkerung sind diese Flüge jedoch unbezahlbar. Sie muss mehrtägige teils sehr gefährliche Flussfahrten überwinden, um in die Stadt zu kommen, um dort notwendige Lebensmittel und Haushaltswaren einzukaufen oder aber eigene Feldprodukte und Handarbeiten zu verkaufen.

So wie Surinam heute meist vom Weltinteresse abgekoppelt ist und auch kaum Entwicklungshilfe in das Land fließt, war Surinam zur Zeit der europäischen Entdeckungsreisen und Besiedlungsinteressen erst sehr spät in das Blickfeld geraten.

Surinam wurde zwar schon 1499 entdeckt, aber erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts versuchten Glücksritter und Abenteurer den Fuß in die unwirtliche Region zu setzten. Es hielten sich hartnäckig Gerüchte, dass in Surinam das sagenumwobene Goldland " El Dorado" zu finden sei. Wenngleich in Surinam bis heute relativ viel Gold zu finden ist, entsprachen die Funde nicht den Erwartungen der Goldgräber. Außerdem kamen die Goldgräber oft sehr schnell um.

Das Land war von Indianervölkern besiedelt, die teils sehr aggressiv waren - voran die Kariben - und die europäischen Besiedlungsversuche verhinderten. Gleichgültig unter welcher Flagge die dann folgenden Kolonialisierungsversuche ausgingen, alle trafen sie auf die außergewöhnliche Gegenwehr der indianischen Völker. Während eines 180 Jahre anhaltenden Krieges der Indianer gegen die Siedler scheiterten alle Kolonialisierungsversuche, bis es schließlich zu einem brüchigen Frieden mit den holländischen Siedlern kam.

Die erste permanente Siedlung entstand erst 1650. Der Frieden ermöglichte den langsamen und schließlich auch erfolgreichen Aufbau von ersten Plantagen im Para-Gebiet Surinams, bedingt allerdings durch den gleichzeitigen "Import" von Sklaven aus West-Afrika.

Zwischen 1730 und 1793 kam es erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den europäischen Siedlern, den indianischen Völkern und inzwischen auch den Gruppen von entlaufenen Sklaven, den Marron-Guerillas, die sich an den Flussläufen z.B. des Oberlaufes des Suriname-Flusses und des Saramakka zu festigen versuchten.

Auch mit den in den Dschungelgebieten entstehenden afrikanischen Gruppen, die sich zu eigenständigen sozialen Gebilden mit eigener Sprache und Kultur formten, mussten die Niederländer regelrechte Friedensverträge abschließen, um in der Folge die Plantagenwirtschaft fortsetzen zu können.

Etwa ab 1750 begannen die Christianisierungsversuche durch europäische Kirchen, voran die Herrnhuter aus Sachsen. Bis heute allerdings sind die Christianisierungsversuche im Landesinneren bei den Indianern und Buschnegern nicht als sonderlich erfolgreich zu bewerten. So pflegen Indianer und Buschneger bis heute ihre eigenen Religionen und Kulturen. Und dies mit zunehmendem Selbstbewusstsein.

Nach der Aufhebung der Sklaverei, die in Surinam im besondern Maße verabscheuenswürdig praktiziert wurde, wurden aus asiatischen Kolonien der Niederlande Javaner und Inder ins Land geholt, deren das Schicksal oft nicht besser war, als das der ehemaligen afrikanischen Sklaven.

Zu dem Schicksal der ehemaligen afrikanischen Sklaven gehörte es, dass sie die niedergehenden Plantagen der europäischen Herren und Meister abkaufen konnten. Um eine Heimat und Zukunft zu haben, haben dies auch die in den Plantagen-Dörfern ansässigen Familien kollektiv getan. Zuvor mussten sie sich jedoch für 10 Jahre als Arbeiter für die Plantagenbesitzer verpflichten. Noch heute sind die ehemaligen Plantagengebiete im Para-Distrikt für alle Zeiten unveräußerlicher Grundbesitz der Nachfahren der ehemaligen Sklaven.

Die Europäer waren wegzogen. Zurück blieben Dörfern mit Tausenden von afrikanischen Menschen.

Es kamen portugiesische Juden ins Land und Libanesen.

Surinam wurde zunehmend ein Schmelztiegel der Völker, Kulturen und Religionen.

Mit dem Niedergang der Plantagenwirtschaft verließen viele Europäer das Land. Deswegen leben heute in Surinam nur etwa 1% Europäer bzw. Menschen europäischer Herkunft. 35% sind indischer Herkunft, 32% sind Kreolen (Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven), 10% Marrons (Buschneger, die im Landesinneren regelrechte afrikanische "Republiken" mit einem eigenen Verwaltungssystem gegründet haben), 3% Indianer und eben eine geringe Anzahl javanischer, libanesischer und portugiesisch-jüdischer Abstammung.

Die in Surinam lebenden Menschen mussten lernen, friedlich miteinander zu leben und die unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Kulturen zu respektieren. Lange wurde Surinam als ein tropisches Paradies bezeichnet, in dem Milch und Honig fließt und in dem die Volksgruppen friedlich miteinander leben.

Nur fünf Jahre nach der Erlangung der Selbständigkeit, nämlich 1980, wurde Surinam durch politische Unruhen und darauffolgenden rassischen bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen sozial und auch wirtschaftlich in den Abgrund gestützt.
Wenn Surinam bis dahin noch den Weltmarkt mit Bauxit zur Aluminiumherstellung, mit Reis und tropischen Früchten bedienen konnte, wurde das Land nun endgültig vom Weltmarkt abgehängt. Buschnegergruppen rebellierten gegen die Regierung, die Revolutionsregierung brachte Oppositionelle um, Indianer kämpften gegen die Buschneger und schließlich die Indianer gegen die Regierung. Alle versuchten sie ihre sozialen und politischen Rechte militant durchzusetzen. Die Demokratie hatte verloren. Eine nationale Einheit in der multikulturellen Gesellschaft war nicht etabliert. Die wirtschaftliche Verwahrlosung mit den Folgen für Kultur und Soziales nahm ihren Lauf. Selbst gefestigte Strukturen im Bildungs- und Gesundheitswesen konnten insbesondere im Landesinneren nicht mehr unterhalten werden. Sie zerbrachen. Und dort wo sie nicht im Verlaufe des Mangels an Unterhaltung verwahrlosten, da wurden sie - zum Teil ganze Dörfer - in militärischen Aktionen zerstört.

Erst 1992 schloss die Regierung mit den rebellierenden Gruppen Friedensverträge. Den Indianern und Buschnegern wurde soziale Rechte und Recht auf Grund und Boden zuerkannt. Zumindest auf dem Papier. Zaghaft begannen Wiederaufbauaktivitäten, um den strukturellen aber auch wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Schaden wieder gut zu machen.

Wenn Zehntausende auf der Suche nach einer besseren Zukunft das Land Richtung USA und Europa verlassen haben, versuchten die surinamischen Volksgruppen ihr Land wieder aufzubauen und zu entwickeln.

Im ganzen Land ist Aufbruchstimmung. Die Bewohner des Landesinneren wollen selbstsicher und selbstbestimmt ihre Tradition und Kultur bewahren. Die Kreolen in den Plantagengebieten und in der Stadt pflegen zunehmend ihre Kultur, Sprache und Religion, wenn z.B. auch die Praktizierung der afro-surinamischen Religion Winti bis zur Emanzipation 1975 unter Strafe gestellt war.

In Surinam finden wir heute 15 verschiedene gesprochene Kultursprachen. Jede Ethnie praktiziert ihre Tradition und Kultur mit dem Respekt vor der Religion und Kultur des jeweils anderen.

So ist es einzigartig, dass in Surinam Gotteshäuser von Weltreligionen in einer Strasse nebeneinander stehen, ohne dass es Konflikte gibt. Die islamische Moschee steht unmittelbar neben der jüdischen Synagoge und im Weiteren finden für javanische Tempel, katholische Kathedralen und evangelische Kirchen und auf den Märkten finden wir alle notwendigen Utensilien für die Praktizierung von afrikanischen und indianischen Religionen und traditioneller Heilkunde.

Surinam- sucht einen Weg des Aufbaus und Wiederaufbaus

Das frühere DBSH-Institut zur Förderung der Sozialen Arbeit  und das Nachfolgeinstitut „Institut für Soziale Projekt (INSOPRO)“ mit seinen Sozialen-Projekten-Surinam unterstützt surinamische Gruppen seit nunmehr 16 Jahren in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit auf allen Gebieten. Entscheidend sind die Bedürfnisse und Interessen der Bevölkerungsgruppen und deren Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und Eigenleistung.

Wolfgang Jost, der sein Leben nunmehr seit 1981 eng mit Surinam verwoben hat, ist bis heute Motor für die Projektarbeit in Surinam und sucht immer wieder neu nach Fördermitteln, die in die diversen Projekte fließen sollen. Seit 2005 lebt er dauerhaft in Surinam und ist Projektkoordinator des Instituts für Soziale Projekte in Surinam.

 

Aktuelle Entwicklungen

Surinam hat sich politisch und wirtschaftlich ein wenig stabilisiert. Die Infrastruktur wird stetig verbessert. Straßen und Brücken werden gebaut und es sind enorme Bauaktivitäten zu verzeichnen. Gleichwohl hat sich die Lebenslage der meisten Menschen in den Distrikten und im Binnenland kaum oder oft auch gar nicht verändert. Die Bevölkerung in den Distrikten und im Binnenland verfügt inzwischen zwar über Handy, dank des Wirtschaftskrieges der Telekommunikationsbetriebe, aber nicht über fließendes Wasser, Strom eine intakte soziale Struktur, Schulen und Arbeitsplätze. Nach wie vor müssen sich soziale Gruppierung im In- und Ausland für die Entwicklungschancen insbesondere der indigenen Bevölkerung einsetzen. Dies unter Respekt vor der Natur und Kultur.